Jeder spricht über Wacholder. Wir reden über Koriander. Bei Gin John ist er der Herzschlag — das Gewürz, das den Drink durchdringt, ohne aufdringlich zu sein.
Koriander ist nicht Koriander
Wichtig: Wir reden über Coriandrum sativum — die Samen, nicht die grünen Blätter. Die Blätter haben dieses umstrittene Seifen-Aroma (genetische Disposition, wirklich), die Samen schmecken komplett anders. Süßlich, leicht zitrusartig, mit einem Hauch von Salbei und Mandel. Wer Korianderblätter hasst, kann Koriandersamen lieben.
Warum Gin Koriander liebt
Koriander ist die zweithäufigste Botanik im Gin weltweit. Direkt nach Wacholder. Warum?
- Brücke zwischen Wacholder und Zitrus. Koriander schmeckt subtil nach Zitrone, ohne wirklich zitronig zu sein. Er glättet den Übergang von harzigem Wacholder zu floralen Beeren.
- Wärme im Abgang. Salbei-artige Untertöne machen den Drink runder, weniger eckig.
- Verstärkt andere Botanicals. Koriander macht Heidelbeere beeriger, Zitrusschale heller, Angelika tiefer. Er ist ein Aromen-Verstärker.
Wacholder gibt dem Gin den Charakter. Koriander macht ihn tragbar.
Bei Gin John: Herzschlag
In unserem 21-Botanicals-Rezept ist Koriander der Herzschlag. Das heißt: Er ist nach Wacholder mengenmäßig die zweitprominente Pflanze. Bei manchen Premium-Gins ist es Angelika, bei uns ist es Koriander. Bewusst.
Warum? Weil ein Gin, der Koriander vorne stellt, besser trinkbar ist. Wacholder allein wird mit zunehmender Menge eckig und einseitig. Koriander öffnet den Drink — ohne ihn floral zu drücken.
Was Du im Glas schmeckst
- Antrunk: Wacholder (harzig).
- Mitte: Koriander (süßlich-zitrisch, mit einer warmen Salbei-Note).
- Abgang: Wacholder fließt ab, Koriander bleibt mit Angelikawurzel zusammen länger im Mund.
Wenn Du Gin John pur trinkst, achte beim zweiten Schluck speziell auf die Mitte. Das, was sich nicht-spitz, weich, etwas nussig-warm anfühlt — das ist Koriander.
Koriander-Quellen
Die besten Koriandersamen kommen aus Marokko und Indien. Marokkanischer Koriander ist süßer, indischer hat eine schärfere Zitrusnote. Wir verwenden bei Gin John eine Mischung — der süße marokkanische gleicht den schärferen indischen aus.
Frisch sind die Samen gelblich bis grün. Wenn sie altern, werden sie bräunlich und verlieren Öl. Brennereien, die billig produzieren, kaufen alte Samen — Du schmeckst es als müden Gin mit dumpfer Mitte.
Hausexperiment: Koriander rausschmecken
- Nimm einen klassischen Gin Tonic. Riech kurz dran.
- Zerdrücke einen Koriandersamen aus dem Gewürzregal zwischen Daumen und Zeigefinger. Riech an Deinen Fingern.
- Riech wieder am Glas. Du wirst die gleiche Note finden — aber subtiler, eingebettet.
Das ist der "Herzschlag" — die Note, die da ist, aber nicht im Vordergrund schreit.
Was Du auf jeder Speisekarte erkennen kannst
Wenn ein Cocktail nicht funktioniert — wenn ein Gin Tonic flach, eckig, unausgewogen schmeckt — dann fehlt fast immer der Koriander in der Mitte. Wacholder bringt Charakter, Koriander macht trinkbar. Ein Drink ohne Koriander-Tiefe ist wie ein Gespräch ohne Pausen.
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